Die Proteste am Niederrhein sind bis auf Weiteres friedlich verlaufen. Für die Jungen Liberalen Niederrhein ist damit allerdings die Messe noch nicht gelesen. Denn schon im Vorfeld haben die angekündigten Proteste deutliche Spuren hinterlassen: Händler mussten, wie beispielsweise in Köln und Düsseldorf, ihre Geschäfte martialisch mit Spanplatten verbarrikadieren, Juweliere ihre Schaufenster ausräumen und Schüler um ihre Sicherheit bangen. Es wurde sich auf Bürgerkriegsähnliche Zustände eingestellt.
“Besonders schädlich waren die im Vorfeld ausgesprochenen Gewaltandrohungen und das mobil machen Extremistischer Akteure. Das grundgesetzlich geschützte Demonstrationsrecht wurde hier faktisch unter Druck setzen. Wer aus Angst vor Ausschreitungen auf die Teilnahme an einer Veranstaltung oder den Besuch der Innenstadt verzichtet, wird in seiner Freiheit Eingeschränkt. Hier steht die Uhr auf kurz vor zwölf.” so Paolo M. Aguilar Sanchez, Pressesprecher der Jungen Liberalen Niederrhein.
Stellenweise bot sich ein befremdliches Protestbild: Während der eine Teil, erkennbar Schüler, für mehr Klimaschutz und bessere Bedingungen an der Schulischen Infrastruktur protestierten, präsentierte sich der andere Teil der Protestbewegung mit einer Rhetorik, die eher an kommunistische Parteijugend als an politische Mitte erinnerte.
Für Irritation sorgten vor allem Schlachtrufe die mit der Schulischen Infrastruktur wenig zu tun hatten. Bei ”Free Palestine” und “Viva Palestina” rufen Fragen wir uns, für welche Schulen genau hier protestiert wurden. Für die in Deutschland oder für die in Palestina.
Auch die teils fragwürdigen Aussagen aus dem Umfeld der Proteste, etwa die Behauptung einer Sprecherin in Berlin, die Jugend werde zum Kriegsdienst gezwungen würden, sind ehr ein Indiz dafür, dass persönliches Geltungsbedürfnis statt Faktenlage in den Vordergrund gestellt wurde.